Stories & Reviere

SUP-Tour vor Mallorca

SUP-Tour Mallorca

Mallorca, Silvester 2020. Die Bucht von Alcudia liegt ruhig wie ein See, kein Windhauch kräuselt die Wasseroberfläche. Durch die Windstille und die vor strahlend blauem Himmel leuchtende Sonne fühlen sich 16 Grad Lufttemperatur schon geradezu sommerlich an.

Nachdem wenige Tage zuvor Sturm mit mehr als 100 km/h Windgeschwindigkeit das Wasser fliegen ließ, ist es jetzt an der Zeit das aufblasbares Stand Up Paddleboard aus dem Reisegepäck zu ziehen. Damit kann die Küste nordöstlich des Hafens von Alcudia ideal erkundet werden kann. Eine vorgelagerte Insel, kleine Buchten und eine äußerst imposante Steilküste sind lohnende Ziele einer Paddeltour.

Foto: Christian Tillmanns

Das Board ist schnell aufgepumpt und dann geht es von den alten Fischerhäusern von Alcanada auf eine etwa zehn Kilometer lange Tour. Ein glasklares Meer, das Sicht bis auf den Grund und die vorbeiziehenden Fischschwärme erlaubt und die Stille machen den Trip schon auf den ersten Metern zum Erlebnis.

Östlich von Alcanada schließt sich die etwa 200 Meter lange Insel „Illa de Alcanada“ an. Das Meer um die Insel und besonders der Bereich zwischen der Insel und dem Festland ist seicht und von Riffen gespickt. Die Insel ist schnell umpaddelt und weiter geht es um die Punta de Sa Vinya in die Nachbarbucht. Hier beginnt ein fast unberührtes Mallorca. Wald steht bis ans Meer unter dem Board wogen Felder aus Neptungras.

Foto: Christian Tillmanns

Langweilig ist die Tour absolut nicht, je nach Vorliebe kann gemächlich gepaddelt werden, oder im Rahmen eines Cardio-Ausdauertraining Tempo gemacht werden. Was beim Paddeln allerdings auf längeren Touren bei einem größeren Temperaturunterschied zwischen Wasser und Lust immer schwierig ist, ist die Auswahl der richtige Kleidung. Wer sich zum Paddeln richtig kleidet, kann im Notfall im Wasser schnell unterkühlen. Wer sich für die Wassertemperatur angemessen kleidet fühlt sich schnell wie die Besatzung eines Schnellkochtopfs. Ich bin dazu übergegangen für den Notfall warmes Neopren und vor allem Schuhe im Transportsack am Bug mitzuführen.

Die Neoprenschuhe spielen vor allem bei Touren wie dieser eine Rolle. Nach der Bucht von Es Farallo schließt sich eine sehr hohe Steilküste an. Wer hier an Land muss, muss über Felsen klettern und das wäre barfuß nur mit Verletzungen zu überstehen. Da ab jetzt auf dieser Tour Rettung nur noch auf dem See- oder Luftweg möglich wäre, spielen auch andere Sicherheitsaspekte eine höhere Rolle.

Foto: Christian Tillmanns

Das Starboard 11’2″ IGO DELUXE besitzt zwei Luftkammern und geschweißte Verbindungen für erhöhte Sicherheit. Wem einmal ein Inflatable geplatzt ist (und das passiert durchaus), weiß dass es sehr schnell sehr unangenehm werden kann. Das Board habe ich natürlich per Leash am Körper gesichert. Das Paddel sichere ich mittlerweile je nach Tour ebenfalls. In diesem Fall habe ich es mit der ultraleichten, elatischen Leash von Starboard am Handgelenk befestigt. Auch diese Leash ist eigentlich für das Board gedacht. Das ist zwar nicht ganz so bequem, aber besser, als ein Paddel Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt zu verlieren.

An der Steilküste entlang wird die Tour selbst bei kleiner Welle technisch anspruchsvoller. Die Wellen reflektieren an den Felsen und sorgen für eine unangenehm zu stehende Kreuzwelle. Optisch beeindrucken vor allem die riesigen Höhlen entlang der Küste. Es ist teilweise sehr verlockend die Grotten zu befahren, das kann aber schnell durch Steinschlag oder Wellen in die Hose gehen. Eine größere Welle führt in einer Höhle schnell dazu, dass Board und Besatzung unsanft gegen die Höhlendecke gepresst werden. Auch bei null Swell generieren passierende große Schiffe immer wieder Wellen aus dem Nichts.

Foto: Christian Tillmanns

Dann ist es Zeit umzukehren. Sobald die seichten Buchten erreicht sind, wird das Paddeln wieder zum lautlosen und einfachen Gleiten. Die Zivilisation kündigt sich mit den Abschlaggeräuschen vom nahen Golfplatz an, die erstaunlich weit über das Wasser getragen werden. Zurück in Alcanada stehen knapp zehn Kilometer Paddelstrecke auf der Uhr und das Abendessen schmeckt nach dem kleinen Nachmittagsabenteuer doppelt gut.

Text/Fotos: Christian Tillmanns

Anzeige